Pferdgestützte Logopädie

Pferdgestützte Logopädie

Bei dieser ganzheitlichen Therapieform wird mithilfe des Pferdes die Sprache, das Sprechen und die Stimme verbessert. Die Therapie findet am und auf dem Pferd statt.

Das Pferd erwartet keine verbale Kommunikation. Es ist wertfrei und unvoreingenommen. So können Sprechängste und Hemmungen überwunden werden. Der Leistungsdruck wird gemindert. Die Arbeit um und auf dem Pferd ist sehr motivierend, da nicht die Übungen im Vordergrund stehen, sondern der freudebetonte Umgang mit dem Pferd und das "Sich - tragen - lassen".

Motorische und sprachliche Fähigkeiten stehen in einem engen Zusammenhang. Durch die Zunahme der Willkürmotorik kann sich die Artikulation verbessern. Die Voraussetzungen für die Sprache (Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Konzentration, Rhythmus, Körperspannung, Motorik, psychische Faktoren) können gefördert werden. Das Körperbewusstsein wird gestärkt. Es kommt oft während der Therapie zu einer kommunikativen Öffnung. Erlebnisse werden verarbeitet und wollen mitgeteilt werden.

Logopädische Lerninhalte werden mit tiefgehenden Erfahrungen, Beziehungs- und Körperarbeit verknüpft. Damit ist langanhaltendes Lernen gesichert und die Aufnahmebereitschaft für sprachliche Reize kann gesteigert werden. Die angestrebten Ziele bei der pferdegestützten Logopädie (Verbesserung des Gleichgewichtssinn, Raum- und Lagewahrnehmung der eigenen Gelenke und Muskeln) werden verbessert. Sprachverarbeitende Strukturen im Gehirn werden positiv beeinflusst.

Die Zielstellungen der pferdegestützten Logopädie können sein:

  • Erweiterung des Wortschatzes
  • Verbesserung des Sprachverständnisses
  • Zunahme das Mundschlusses
  • Verbesserung mundmotorischer Fähigkeiten
  • Verbesserung der Artikulation, korrekte Lautanwendung erlernen
  • Förderung der Basiskompetenzen für den Spracherwerb
  • Verknüpfung beider Gehirnhälften (Lateralitätsentwicklung)
  • Erlernen korrekter grammatikalischer Strukturen und Anwendung dieser Strukturen
  • Überwindung von Sprechängsten und Sprechhemmungen
  • Verbesserung des Redeflusses

Therapeutisches Reiten
Therapeutisches Reiten umfasst pädagogische, psychologische, psychotherapeutische, rehabilitative und sozial-integrative Maßnahmen. Diese werden über das Medium Pferd umgesetzt. Die Zielgruppen sind Kinder, Jugendliche oder Erwachsene mit körperlichen, seelischen und sozialen Entwicklungsstörungen oder Behinderungen. Dabei steht die Entwicklungsförderung im Mittelpunkt.

Die Bereiche des therapeutischen Reitens sind:

  • heilpädagogisches Reiten (auch Reitpädagogik genannt)
  • heilpädagogisches Voltigieren
  • Hippotherapie (als Physiotherapie)

Im Laufe meiner Arbeit habe ich immer wieder festgestellt, dass die klassische Logopädie bei einigen Kindern an ihre Grenzen stößt. Dies sind Kinder, deren Ursache für die verzögerte Sprache schon in einer viel früher stattfinden Entwicklungsverzögerung zu suchen ist. Die auffällige Sprache ist „nur“ eine logische Weiterentwicklung der schon bestehenden Schwierigkeiten. So finden sich bei vielen Kindern, die mit fünf Jahren und massiven Sprachentwicklungsstörungen zu uns kommen, auch deutliche Einschränkungen im motorischen Bereich. Dies kann sich in erhöhter Unruhe, Gleichgewichtsstörungen, körperlicher Unempfindlichkeit und Ähnlichem äußern. Es hat wenig Sinn, eine multifaktorielle Entwicklungsstörung einseitig behandeln zu wollen. Die erhöhte Wirksamkeit kombinierter Förderung ist mittlerweile mehrfach wissenschaftlich belegt. Leider begegnen wir im Alltag nur wenigen Ärzten, die diese Entwicklung mitbekommen haben. So werden selten Logopädie und Ergotherapie parallel verordnet, sondern höchstens nacheinander. Motorische und sprachliche Entwicklung findet aber nicht nacheinander, sondern parallel und ineinandergreifend statt! Wenn die Entwicklungsbasis der Kinder nicht gegeben ist, werden nachfolgend immer weitere Einschränkungen auftreten.

Die Arbeit mit dem Pferd bietet hier eine wunderbare Ergänzung der therapeutischen Möglichkeiten. Der motorische Bereich kann durch das Reiten auf natürliche Weise gefördert werden und ergänzt die Sprachtherapie auf sinnvolle Art und Weise. Selbstverständlich soll und kann die Logopädie mit dem Pferd keine Ergotherapie ersetzen, sie erweitert lediglich die Möglichkeit einer ganzheitlichen Förderung Ihres Kindes.
Gerade bei langfristigen Therapien erhöht die Anwesenheit eines tierischen Therapeuten die Motivation der Kinder.
Ein weiterer großer Vorteil der pferdegestützten Therapie ist das natürliche Setting. Die Kinder empfinden sich nicht als „eingeschränkt“, sie „müssen“ nicht in erster Linie zur Therapie, sondern „dürfen“ zum Reiten. Das sorgt ganz enorm für eine Stärkung des Selbstbewusstseins.

Sabine Jessner

Reitpädagogin (EAA)

Heilpädagogisches Reiten

Legasthenie- und Dyskalkulie-Trainerin